Arbeitskreis für Kieferorthopädie 09.12.2019

MOFO10
Termin
09.12.2019
Uhrzeit
Einlass 19:30 Uhr
Referent/in
Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med.dent. Dr. h.c. Konrad Wangerin
Kursort
Zahnklinik München, Hörsaal, Goethestraße 70, 80336 München
Voraussetzung
Anmeldung zwingend erforderlich!!!

Referent:
Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med.dent. Dr. h.c. Konrad Wangerin
ehemaliger Ärztlicher Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Marienhospital Stuttgart

Thema:
Die interdisziplinäre Behandlung von Dysgnathien 30 Jahre Erfahrung- nur gemeinsam sind wir stark

Konrad Wangerin

Der Fortschritt in der Zahnheilkunde und die sich daraus entwickelnde Vielfalt an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten hat auf der anderen Seite leider auch einen Alleinbehandlungsanspruch des Zahnarztes begünstigt. So hat auch die zahnärztliche Aus- und Weiterbildung mit dem Focus auf das Kauorgan zu einer Entwicklung geführt, bei der, ganz im Bann der rasant wachsenden Erkenntnisse und Behandlungsmöglichkeiten, sich die Medizin und die Zahnmedizin zunehmend voneinander abgrenzten.
Nicht zuletzt leisten auch die Strukturen von Gebührenordnungen, DRG‘s etc. ihren Beitrag dazu, einzelne Symptome und die dazu passenden Behandlungsschritte aus der komplexen Gesamtheit zu lösen und isoliert zu betrachten bzw. durchzuführen. Zu Grunde liegt ein Verständnis der Medizin, bei der Evidenz der Maßstab allen Be-Handelns ist. Diese systembedingte Reduktion scheint aber leider in einem unauflösbaren Gegensatz zur umfassenden kasuistischen Betrachtung zu stehen, bei der eine individuelle Anamnese und die eigenständige Bewertung aller Faktoren in einer individuellen therapeutischen Entscheidung münden. Dieses Medizinverständnis fördert die Suche nach adäquaten Lösungen für komplexe Fragestellungen, die heute besser denn je fachübergreifend behandelt werden könnten. Die Verantwortung für den Anstoß liegt oft in der Kieferorthopädie.
Mögen die diffamierenden Äußerungen der Presse und der Politik “Böse Abzocke mit unnützen Zahnspangen“ etc. eine Warnung für uns alle sein, die wir aufgrund fehlgeleiteter Strukturen verlernt haben, das ‚Ganze‘ zu sehen und uns das Versäumnis zuschreiben müssen, die Zahn- und Kieferheilkunde nicht als sehr wichtigen Beitrag in der Salutogenese unterschiedlichster Erkrankungen gesehen und dargestellt zu haben.
In der Interdisziplinarität liegt ein meist unterschätztes, unermessliches Potential, kurativ in unterschiedlichste Krankheitsverläufe einzugreifen bzw. diesen frühzeitig vorzubeugen. Gemeinsam sind wir stark.

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