Bitte beachten. Diese Veranstalung ist eine Präsenzveranstaltung.
Ort: Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie, Goethestraße 70, 80336 München im Hörsaal
Referent:
Prof. Dr. Jan Kühnisch,
Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Digitale Zahnmedizin/ Sektion Kinderzahnheilkunde
Klinikum der LMU München
Thema:
Das Gelbe Kinderuntersuchungsheft & die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen bei Kleinkindern
Abstract:
Die frühkindliche Karies stellt eine häufige Diagnose im Kleinkindalter dar. Während die Therapie der frühkindlichen Karies als eine Herausforderung für das zahnärztliche Team gilt, ist die Erkennung zumeist ein Blickdiagnose. Zudem sind die Ursache(n) im anamnestischen Gespräch gut identifizierbar. Als conditio sine qua non für eine sofortige und dauerhafte Reduktion des Kariesrisikos gelten die Ernährungsumstellung in Form des Verzichts auf die Zufuhr von kariogenen/ erosiven Getränken und Lebensmitteln, ein Abstillen bei verlängertem oder exklusivem Stillen, die zweimal tägliche Sicherstellung einer qualitativ guten Mundhygiene durch die Eltern (Nachputzen) und die altersgerechte Fluoridzufuhr. Diese Präventionsimpulse sind zumeist durch das zahnärztliche Team zu initiieren, wiederholt zu kontrollieren und durch die Familien dauerhaft umzusetzen. Die konsequente Umsetzung dieser Maßnahmen wird maßgeblich über eine zukünftige Kariesfreiheit oder das erneute Auftreten von kariösen Läsionen entscheiden. Neben den präventiven Aspekten, bedürfen betroffen Kinder oftmals einer konservierend-chirurgischen Therapie. Die patientenbezogene Behandlungsstrategie wird dabei von der Kooperationsbereitschaft des Kindes und dem Umfang der Gebisszerstörung maßgeblich mit beeinflusst und ist individuell festzulegen. Das Spektrum der zahnerhaltenden Maßnahmen hat sich in den vergangenen Jahren verbreitert und umfasst heute nicht invasive, minimal invasive Maßnahmen zur Kariestherapie neben der selektiven Kariesexkavation, Endodontie und indikationsgerechten Restauration des Milchzahnes. Im Fall der Nichterhaltungsfähigkeit von Milchzähnen steht die Extraktion und der anschließende Lückenerhalt heute außer Frage. Letzterer Aspekt zielt auf die Vermeidung eines sekundären Platzmangels ab und wird als Präventionsmaßnahme nach wie vor unterschätzt.
Mit der Einführung der Früherkennungsuntersuchungen (FU) im Jahr 2019 zielte der Gesetzgeber darauf ab, die Problematik der frühkindlichen Karies zu reduzieren. Allerdings folgte erst zum 1.1.2026 die Integration von Verweisen in das gelbe Kinderuntersuchungsheft, was die Sichtbarkeit der Früherkennungsuntersuchungen und Vorstellungshäufigkeit von Kleinkindern in der zahnärztlichen Praxis gleichermaßen erhöhen wird. Ziel des Vortrages wird es auch sein, erfolgversprechende Strategien zur Durchführung der Früherkennungsuntersuchungen darzustellen.
